Botschaft November 2024

Die Quelle des lebendigen Wassers

von Hoher Rat Jared Jentzsch

Liebe Schwestern und Brüder,

der Erretter hat uns das lebendige Wasser verheißen, das unsere Seelen erquicken und uns Frieden und Freude bringen kann. Im Gespräch mit der Frau am Jakobsbrunnen sagte Jesus: „Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt“. Die Frau antwortete: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit mich nicht dürstet und ich nicht herkommen muss, um zu schöpfen!“ (Johannes 4:13- 15).

Das lebendige Wasser, von dem Christus spricht, symbolisiert das Evangelium – das Wort Gottes, das in unserem Leben Quelle und Kraft sein kann. Es kann uns Frieden und Freude schenken, wenn wir es annehmen und danach leben.

Ein passendes Bild für dieses lebendige Wasser finden wir in der Geschichte des Jordans. Kein Gewässer prägt die Geschichte Israels so sehr wie dieser Fluss. Der Jordan verbindet zwei Gewässer miteinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Der See Genezareth und das Tote Meer. Beide werden vom selben Fluss gespeist, doch der Kontrast zwischen ihnen ist enorm.

Der See Genezareth ist reich an Flora und Fauna, seine Ufer sind grün und fruchtbar, und über Jahrtausende hat er Menschen in Nordisrael versorgt. Heute ist er das größte Trinkwasserreservoir Israels und steht für Leben und Fruchtbarkeit. Auf der anderen Seite steht das Tote Meer, so lebensfeindlich, dass kein Lebewesen darin überleben kann. Seine Salzkonzentration ist zehnmal höher als die des Atlantiks.

Beide Seen befinden sich in derselben Region und werden vom gleichen Wasser des Jordans gespeist. Doch während der Jordan durch den See Genezareth hindurchfließt und ihn in Bewegung hält, bleibt das Wasser im Toten Meer stehen, ohne abzufließen. Das Wasser bringt dem einen See Leben und dem anderen Tod, abhängig davon, ob es weitergegeben wird.

Dieses Bild können wir auf unser Leben übertragen. Wir benötigen nicht nur einen stetigen Zufluss des Wassers – des Wortes Gottes – in unserem Leben, sondern wir müssen es auch weitergeben. Wenn wir die Segnungen des Evangeliums nur für uns behalten, wie das Wasser im Toten Meer, werden sie verdunsten. Um Leben und Segnungen zu erfahren, müssen wir unsere Liebe, unser Mitgefühl, unser Wissen und unsere Stärke mit anderen teilen. So können wir zu einer Quelle werden, die ewiges Leben schenkt.

Eben dieser Jordan wurde zum Ärgernis des aramäischen Feldhauptmannes Naaman, der ausrief: „Sind nicht die Flüsse Syriens besser als alle in Israel?“ Vom Aussatz geplagt, bekam dieser „sonst so vortreffliche und von Gott begünstigte Mann“ den Hinweis seiner jüdischen Sklavin, dass es einen Propheten in Israel gäbe, der Heilung bringen könnte.

Naaman nahm Kontakt mit dem König von Israel auf, und Elisha wurde aufgefordert, zu ihm zu kommen. Also kam Naaman mit Ross und Wagen zum Haus des Propheten. Elisha schickte ihm die Botschaft: „Geh hin und wasche dich siebenmal im Jordan.“ Voller Zorn wandte sich Naaman ab, doch seine Diener baten ihn: „Vater, wenn der Prophet dir etwas Schweres gesagt hätte, hättest du es nicht getan? Wie viel mehr dann, da er zu dir gesagt hat: Wasche dich, so wirst du rein!“ (2. Könige 5:13-14).

Wie dankbar kann Naaman sein, dass er solche Diener um sich hatte! Menschen, die uns aus Zorn, Enttäuschung und Frustration herausholen, sind ein großes Geschenk.

Stellen wir uns diesen großen Feldherrn vor: Er fährt ins Jordantal hinab, steigt von seinem Streitwagen und legt seine Rüstung ab und taucht in den Jordan ein. Was das für einen vortrefflichen und mächtigen Mann, einen Hauptmann, der gewohnt ist, in Waffen und Panzern zu stehen, bedeutet, können wir uns kaum vorstellen. Heilung in dieser Geschichte kommt nur auf dem Weg der Demut – auf dem Weg der „Abrüstung“.

Heil zu werden bedeutet, alle „Rüstungen“ des Stolzes abzulegen und sich so zu zeigen, wie man wirklich ist: stark und verletzlich zugleich. Naaman, der mächtige Krieger, steigt herab, bis er sich auf derselben Ebene wie seine israelitische Dienerin befindet, die ihn mit ihrem Glauben und ihrer Empathie auf diesen Weg der Heilung geschickt hat. Am Ende steht jedoch kein erniedrigter Naaman, sondern ein geheilter – an Körper und Seele.

Die Taufe ist ein Symbol dieser Reinigung und ein Bündnis, das wir erneuern und durch das Wort Gottes bewahren müssen. Dieses Wasser bringt Frieden und Freude in unser Leben. Wie der Herr in Lehre und Bündnisse 63:23 verheißen hat: „Wer meine Gebote hält, dem werde ich die Geheimnisse meines Reiches geben, und diese werden in ihm eine Quelle lebendigen Wassers sein, das zu immerwährendem Leben emporquillt.“

Liebe Geschwister, lasst uns gemeinsam als Brüder und Schwestern, als Sünder und Lernende, zur Quelle der Rechtschaffenheit gehen. Lasst uns gemeinsam Gott ehren, der uns das Leben geschenkt hat und uns durch seinen einziggezeugten Sohn erneutes Leben gibt. An diesem Wasser finden wir Heilung, Stärke und Frieden. Helfen wir einander auf dem Weg, der uns zu diesem Wasser führt.

Im Namen Jesu Christi, Amen

Brd. Jared Jentzsch, Hoher Rat im Pfahl

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