Ein älterer Bruder unserer Gemeinde berichtete mal, dass er am Ende des zweiten Weltkrieges in französische Kriegsgefangenschaft geriet. Eines Tages nach Kriegsende gab es einen Appell im Gefangenenlager und alle mussten im Hof antreten. Sie waren angespannt und verängstigt, was sie nun erwarten würde. Schließlich hatten deutsche Soldaten auch den Menschen in Frankreich viel Leid zugefügt. Dann wurde gefragt, ob jemand als Zimmermann arbeiten könnte. Sofort meldeten sich sein Freund und er, denn es konnte dort nur besser als im Lager werden.
Sie wurden in eine Stadt gebracht, wo sie dabei halfen, die Kriegsschäden wieder zu beseitigen. Ihre fleißige Arbeit und ihr korrektes Auftreten halfen dabei die Barrieren unter Gegnern des Krieges aufzubrechen.
Zum Weihnachtfest wurden sie von der großen Familie der Zimmermannsfirma am Heiligabend in das Gutshaus zum Essen eingeladen. Sie aßen das erste Mal gemeinsam, konnten sich aber auf Grund der Sprachbarrieren kaum unterhalten. Jedoch später im Kerzenschein begannen sie gemeinsam deutsche und französische Weihnachtslieder zu singen.
Ab dieser Zeit bis zu ihrer Freilassung aus der Gefangenschaft lebten sie bei der Familie wie Gäste. All der berechtigte Hass zwischen Kriegsfeinden wurde im Angesicht des Weihnachtsfestes überwunden.
Man möchte meinen, dass der zweite Weltkrieg und die damit in Verbindung stehenden Ereignisse zeitlich weit entfernt sind. Nur noch wenige der älteren Menschen können sich an die Zeit des Krieges erinnern. Zum Glück leben wir heute hier im Frieden.
Jedoch erleben wir tagtäglich in den Medien wie immer noch viele Menschen in Kriegsgebieten ihr Leben verlieren, Soldaten auf Befehl Verbrechen verüben und Familien darunter leiden. Es gibt gerade dort wieder Hunger und Armut. Der Wunsch, dass es auch dort Frieden geben möge und Menschen wieder nebeneinander in Respekt und Eintracht leben können, macht uns unsere Ohnmacht bewusst. Einzelne Menschen mit Macht nutzen diese aus, um unter dem Deckmantel der eigenen Sicherheit Soldaten in den Tod zu senden und Schrecken und Trauer unter den Menschen zu verbreiten.
Als Jesus auf diese Erde kam, waren die Juden auch gerade unter römischer Besatzung. In den Jahrhunderten zuvor, waren die Völker Israels zerstreut oder getötet wurden.
Die Ankündigungen der Propheten, dass ein König kommen würde, der sein Volk wieder erlösen werde, wurde von vielen falsch verstanden.
Die Geburt des Jesuskindes geschah ganz und gar nicht unter königlichen Umständen, stattdessen in einer als Tierstall genutzten Höhle, fast unbemerkt von der Welt. Einzig allein die Hirten auf dem Feld und die Weisen aus dem fernen Morgenland machten sich auf, um das Kind zu sehen, was als König angekündigt unter dem neuen Stern am Himmelszelt geboren wurde.

Bemerkenswert ist auch, dass alle Juden und andere Völker darüber hinaus die Ankündigungen der alten Propheten hatten und trotzdem gab es nur wenige, welche die Zeichen für die Geburt des Erlösers und Heilandes erkannten.
Hätten wir heute nicht den Wunsch, dabei gewesen sein zu können, nach der Geburt den Heiland zu sehen? Würden die Menschen begeistert kommen, wenn es heute heißen würde, dass Christus an einem bestimmten Ort wieder auf diese Erde herabkommen würde und wir ihn begrüßen könnten?
Viele Zeichen deuten darauf hin, dass Christus bald wieder auf diese Erde kommen wird. Noch sind nicht alle Zeichen erfüllt, aber das Werk des Herrn wird beachtlich beschleunigt. Das Evangelium wird in vielen Ländern der Welt verkündet und es werden immer mehr.
Menschen aus fernen Ländern, gerade auch aus Kriegsgebieten oder Ländern, in denen sie nicht frei an ihren eigenen Gott glauben können, kommen zu uns, lernen das Evangelium kennen und schließen einen Bund mit Gott.
Präsident Nelson erinnerte in einer Ansprache über das Vertrauen in die Gegenwart Gottes über dieses Zweite Kommen des Herrn: „Wir kennen nicht den Tag oder die Stunde seines Kommens. Ich weiß allerdings sehr wohl, dass der Herr mir eingibt, uns zu mahnen, dass wir uns für diesen großen und furchtbaren Tag bereitmachen.“
Bereitzumachen könnte auch gerade jetzt in der Zeit des Weihnachtfestes sein, dass wir in unserem Umfeld gleich wie Jesus Frieden spenden, Streit verhindern, auf jeden liebevoll mit Verständnis reagieren, Kritik vermeiden und jeden Nächsten als ein Kind Gottes betrachten.
Präsident Eyring sagte: „[Jesus] sprach … seinen Jüngern während seines irdischen Wirkens diese wunderbare Verheißung aus: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch.“ (Johannes 14:27.) Es ist tröstlich zu wissen, dass diese Verheißung inneren Friedens auch heute noch für all seine Jünger gilt.
Einige von uns leben in einer schönen Umgebung, wo Friede herrscht, und doch erleben wir inneren Aufruhr. Andere wiederum verspüren inmitten großer persönlicher Verluste, tragischer Ereignisse und fortwährender Prüfungen Frieden und vollkommene Gelassenheit.
Nur wenn wir dem Erretter nachfolgen, können wir in den Prüfungen, die uns alle ereilen, Frieden und Gelassenheit finden.“
Besinnung zu Weihnachten kann auch das Besinnen auf den Erretter bedeuten. Das Kind in der Krippe sollte uns eine zusätzliche Motivation sein, inneren und äußeren Frieden zu finden.
Das sage ich im Namen Jesu Christi. Amen
Ich wünsche Ihnen ein segensreiches und freudvolles Weihnachtsfest.
Uwe Bartsch, Hoher Rat im Pfahl
















