Botschaft September 2026

Erfahrungen zur 3. Person der Gottheit

von Bruder Siegfried G. Sacher

Es war im Jahr 1953 an einem schönen und sonnigen Sonntag. Wie immer waren für diesen Sonntag zwei Brüder eingeteilt, um die Hausversammlungen in den umliegenden Orten von Annaberg-Buchholz zu leiten. Diese Orte waren Jöhstadt, Marienberg, Schlettau und Blauenthal. Mein Vater Siegfried Sacher sen. und der Bruder Kurt Meyer aus Sehma waren für diesen Sonntag nach Jöhstadt eingeteilt worden. Da das Geld knapp war, musste die Strecke von 12 km am Sonntagmorgen hin und zurück zu Fuß zurückgelegt werden. An diesem Sonntagmorgen durfte ich meinen Vater begleiten. Ich war 10 Jahre alt und freute mich darauf. Mit Bruder Meyer war ein Treffpunkt vereinbart worden, von dem man die restlichen 10 km gemeinsam zurücklegen konnte. Die vereinbarte Zeit war 8.00 Uhr, denn die Versammlung in Jöhstadt begann 10.00 Uhr. Bruder Meyer war ein Mensch, bei dem es keine Unpünktlichkeit gab. Man konnte sich auf ihn stets verlassen. Er gab immer 120%!

Mein Vater und ich waren pünktlich, wer nicht kam war Bruder Meyer. Nach einer Wartezeit von 15 Minuten sagte mein Vater, dass wir losgehen müssen, sonst schaffen wir es nicht, pünktlich zur Versammlung zu sein. Es ging 5 km talabwärts. Das war der einfache Teil des Weges. Um aus diesem Tal herauszukommen, ging es dann 5 km steil Berg an. Als wir unten im Tal waren, blieb mein Vater plötzlich stehen und sagte: „Wir müssen umkehren und wieder zum Treffpunkt zurücklaufen“. Ich protestierte heftig und weigerte mich auch nur einen Schritt die 5 km wieder bergauf zurückzulaufen. Mein Vater erwiderte:“ Ich habe Bruder Meyer gesehen, er steht mitten auf der Kreuzung und hält nach uns Ausschau“. (Damals gab es noch keine Handys.) Trotz meiner vielen Einwände, ich kann so weit nicht laufen, wir kommen dann doch erst recht zu spät,) bestand mein Vater energisch darauf zurückzukehren. Es entsprach gar nicht seinem Charakter, in solcher Beharrlichkeit darauf zu bestehen. Er sagte immer wieder: „Bruder Meyer wartet auf uns.“

Als wir oben auf dem Berg ankamen, war es so. Bruder Meyer stand auf der Kreuzung und hielt nach uns Ausschau. Mir kam er vor wie ein Polizist, der den Verkehr regelte. Das Geheimnis war schnell gelöst. Seine Uhr ging 1 Stunde nach. Inzwischen war es viel zu spät, um noch pünktlich zum Beginn der Versammlung nach Jöhstadt zu kommen. Wir liefen trotzdem los. Nach etwa 50 Metern kam ein Auto gefahren, dies war 1953 an einem Sonntagmorgen etwas Besonderes. Bruder Meyer winkte dem Auto und er hatte Glück, der Fahrer hielt an und wir stiegen ein. Er wollte auch nach Jöhstadt. Plötzlich flüsterte mein Vater: „Das ist ein Taxi.“ Das war uns in der Hektik entgangen. Mein Vater sagte zum Taxifahrer: „Bitte halten Sie an, wir haben kein Geld und können Sie gar nicht bezahlen“. Daraufhin erwiderte der Taxifahrer: „Das macht nichts, sie können sitzenbleiben. Ich hole jemanden in Jöhstadt ab und dieser Herr hat die Fahrt bereits im Voraus bezahlt“. So kamen wir noch pünktlich nach Jöhstadt und die Versammlung konnte um 10.00 Uhr beginnen.

Dieses Ereignis hat sich tief in meine Erinnerung eingeprägt. Vor allem die Sicherheit, mit welcher mein Vater beschrieb, wie Bruder Meyer auf der Kreuzung steht und nach uns Ausschau hält. Er muss es gesehen haben.

Man kann dieses Ereignis als Zufall abtun oder als ein glückliches Zusammenwirken von Umständen. Es ist jedem freigestellt. Aber ich glaube, dass es eine Inspiration des Heiligen Geistes war, die meinen Vater zu dieser Handlung geführt hat. In LuB 121: 45, 46 können wir lesen: „Lass dein Inneres auch erfüllt sein von Nächstenliebe zu allen Menschen und zum Haushalt des Glaubens und lass Tugend immerfort deine Gedanken zieren; dann wird dein Vertrauen in der Gegenwart Gottes stark werden, und die Lehre des Priestertums wir dir auf die Seele niederträufeln wie der Tau vom Himmel. Der Heilige Geist wird dein ständiger Begleiter sein und dein Zepter ein unwandelbares Zepter der Rechenschaft und Wahrheit, und deine Herrschaft wird eine immerwährende Herrschaft sein, und ohne Nötigung wird sie dir zufließen für immer und immer.“ In diesen beiden Versen wird im ersten die Bedingung genannt, die man erfüllen muss, um den Heiligen Geist zu empfangen. Im 2. Vers wird der Segen genannt, der sich daraus ergibt.

In vielen Situationen meines Lebens habe ich die heilende und stärkende Kraft verspürt. Sie war die Quelle der Kraft, der Ausdauer, sowie des Trostes und der Hoffnung. Spätestens bei meiner jetzigen Berufung ist die Gabe des Heiligen Geistes unverzichtbar. Deshalb gebe ich Zeugnis von seiner Existenz.

Im Namen Jesu Christi Amen.

Siegfried G. Sacher

Patriarch des Pfahles Dresden

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