Liebe Geschwister, wahrscheinlich haben Sie schon einmal von folgender Begebenheit gehört:
„Ein Wissenschaftler beobachtete einen Schmetterling und sah, wie sehr sich dieser abmühte, durch das enge Loch aus dem Kokon zu schlüpfen. Stundenlang kämpfte der Schmetterling, um sich daraus zu befreien. Da bekam der Wissenschaftler Mitleid mit dem Schmetterling, ging in die Küche, holte ein kleines Messer und weitete vorsichtig das Loch im Kokon damit sich der Schmetterling leichter befreien
konnte.
Der Schmetterling entschlüpfte sehr schnell und sehr leicht. Doch was der Mann dann sah, erschreckte ihn doch sehr. Der Schmetterling der da entschlüpfte, war ein Krüppel. Die Flügel waren ganz kurz und er konnte nur flattern aber nicht richtig fliegen. Da ging der Wissenschaftler zu einem Freund, einem Biologen, und fragte diesen:
„Warum sind die Flügel so kurz und warum kann dieser Schmetterling nicht richtig fliegen?“
Der Biologe fragte ihn, was er denn gemacht hätte. Da erzählte der Wissenschaftler, dass er dem Schmetterling geholfen hatte, leichter aus dem Kokon zu schlüpfen.
„Das war das Schlimmste was du tun konntest. Denn durch die enge Öffnung, ist der Schmetterling gezwungen, sich hindurchzuquetschen. Erst dadurch werden seine Flügel aus dem Körper herausgequetscht und wenn er dann ganz ausgeschlüpft ist, kann er fliegen.
Weil du ihm geholfen hast und den Schmerz ersparen wolltest, hast du ihm zwar kurzfristig geholfen, aber langfristig zum Krüppel gemacht.“
Um diese Begebenheit auf uns münzen zu können, möchte ich unseren verstorbenen Propheten Gordon B. Hinckley zititieren:
„Wir brauchen den Schmerz um uns entfalten zu können – um der oder die zu sein, die wir sein können.“
Brüder und Schwestern, man kann zweifellos davon ausgehen, dass kein Menschenleben gänzlich frei von Leid und Kummer ist. Auch hat es nie eine Epoche in der Geschichte der Menschheit gegeben, die nicht ein gerütteltes Maß an Unruhe und Elend abbekommen hätte.
Am beeindruckendsten empfinde ich viele Beispiele in der Schrift, welche ebenso geprüft wurden um den Herrn zu zeigen ob Sie standhaft sind und somit Erfahrungen zu sammeln. Zum Beispiel:
- Adam hatte viele seelischen Schmerzen durch seinen Sohn, welcher seinen Bruder umgebracht hatte
- durch Abraham entstanden 2 Völker die gegeneinander kämpfen
- Jakob musste erleben wie sein Sohn Joseph verkauft wurde
- Ruth musste fast ihr ganzes Leben alleine verbringen
- Paulus war nach seiner Bekehrung ebenso fast nur alleine
Im Buch Mormon hatte ebenso jeder Schreiber mit herausfordernden Problemen zu kämpfen. Ich denke da zum Beispiel an Nephi, Abinadi, Alma, Mormon, Moroni und viele andere.
Auch in unserer Zeit ist die Wahrscheinlichkeit, ein perfektes Leben, eine perfekte Familie und wenige Herausforderungen zu haben, sehr gering. Wenn der Lebensweg plötzlich eine schlimme Wendung nimmt, ist man versucht zu fragen:
„Warum gerade ich?“
Manchmal erstrahlt kein Licht am Ende des Tunnels, und kein Sonnenaufgang beendet das Dunkel der Nacht. Wir wähnen uns umgeben von Enttäuschung und von Verzweiflung, weil die Hoffnung geschwunden ist. Wir fühlen uns manchmal verlassen, untröstlich, allein. Manchmal neigen wir aber auch dazu, unser eigenes Unglück durch das verzerrte Licht des Pessimismus zu betrachten.
Propheten sagten, dass Wir warten ungeduldig auf eine Lösung unserer Probleme und vergessen, dass oftmals die himmlische Tugend Geduld vonnöten ist. Die Schwierigkeiten, die uns ereilen, stellen unsere Fähigkeit, auszuharren, wahrhaft auf die Probe. Was bleibt, ist eine grundlegende Frage, die sich jeder von uns selbst beantworten muss: Werde ich straucheln oder die Sache zu Ende bringen?
Einige straucheln, weil sie es nicht schaffen, sich über ihre Schwierigkeiten zu erheben. Wenn man die Sache zu Ende bringen will, muss man bis an sein Lebensende ausharren. Wenn man so bedenkt, was uns alles zustoßen kann, kann man wie einst Ijob sagen:
„Der Mensch ist zur Mühsal geboren.“
Ijob war ‚untadelig und rechtschaffen; er fürchtete Gott und mied das Böse‘. Er verhielt sich gottesfürchtig und war wohlhabend, und doch musste er sich einer Prüfung stellen, an der jeder hätte zerbrechen können. Nachdem er seinen Besitz verloren hatte, von seinen Freunden verhöhnt worden und vom Verlust seiner Kinder mitgenommen war, drängte man ihn, er solle doch Gott lästern und sterben.
Ijob jedoch widerstand dieser Versuchung und erklärte aus der Tiefe seiner edlen Seele:
„Nun aber, seht, im Himmel ist mein Zeuge, mein Bürge in den Höhen.“ „Ich weiß: Mein Erlöser lebt.“
Ijob blieb dem Glauben treu. Werden wir es ebenso halten, wenn wir den Schwierigkeiten gegenüberstehen, die uns zugedacht sind? Der Herr Jesus sagt, was unser Ziel sein sollte:
Wir sollen ihn in den Mittelpunkt unseres Lebens setzen, nicht uns, aushalten und ausharren, ja, aber auch geistig mehr geläutert werden. Wenn wir keine Schwierigkeiten überwinden und Probleme meistern müssten, würden wir in etwa so bleiben, wie wir sind. Wir würden unserem Ziel, dem ewigen Leben, kaum oder gar nicht näher kommen.
Aber uns ist auch die Verheißung gegeben, denn der Meister weiß, wie tief unser Kummer ist, unser Schmerz und unser Leid. In Matthäus 11:28-30 finden wir die tröstenden Worte:
„Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht.“
Meine lieben Geschwister, der Herr lässt es zu, dass wir geprüft werden – manchmal bis an unsere Grenzen. Vielleicht fragen wir uns, wie ein liebevoller und fürsorglicher Vater so etwas zulassen kann. Doch er steht mit offenen Armen da und lädt uns erwartungsfroh ein, zu ihm zu kommen.
Eine meiner Lieblingsschriftstellen findet sich in Lehre und Bündnisse 58:3,4 wo der Herr sagt:
„Mit euren natürlichen Augen könnt ihr zur gegenwärtigen Zeit die Absicht eures Gottes in Bezug auf das, was später noch geschehen wird, nicht sehen, auch nicht die Herrlichkeit, die nach viel Drangsal folgen wird. Denn nach viel Drangsal kommen die Segnungen. Darum kommt der Tag, da ihr mit viel Herrlichkeit gekrönt werdet.“
Möge der Herr uns immer den Verstand, die Kraft, den Glauben und die Zuversicht geben, freudig nach vorn zu schauen und unsere Herausforderungen gut anzunehmen, sodass er unseren Körper und Geist so formen kann, dass sein Geist auf ewig in uns wohnen kann.
Im Namen Jesu Christi Amen.
Daniel Menzel, Hoher Rat im Pfahl Dresden
















